Temporäre Kunsthalle Schaffhausen

Die Stadt Schaff hausen sorgt sich um das Publikum
der Zukunft. In der aktuellen Ausgabe des Kulturbriefes
schreibt Jens Lampater:
Wo kommt das Mehr an Publikum her, das das Mehr
an Veranstaltungen aufwiegt? Aus den nachfolgenden
Generationen? Wie gelingt es, etwa die mehreren
hundert UBS-Mitarbeiter, die kürzlich in Schaffhausen
ihre neuen Arbeitsplätze bezogen haben, abends ins
Theater oder ins Konzert zu locken? Wird die Generation
der heute 30- bis 40-jährigen in einem Jahrzehnt,
wenn die eigenen Kinder einmal aus dem Haus sind,
genauso treu die klassischen Kultursparten und -veranstalter
besuchen, wie es deren Eltern heute noch
tun? Oder ist diese Generation ans TV-on-demand
und an virtuelle Erlebnisse verloren? Und was ist mit
der noch jüngeren Besuchergeneration? Wie kann eine
Sensibilisierung kultureller Themen und ein Verständnis
kultureller Genres gefordert und vermittelt werden
bei möglichen Konsumenten, die immer unverbindlicher
und unberechenbarer zu werden scheinen? Wie
kann Kultur wieder selbstverständlich werden, wo sie
es nicht mehr ist? Es liegt auf der Hand: Kreative Vermittlungsmodelle
und Ansätze für die Ausweitung kultureller
Erfahrungs- und Partizipationsmöglichkeiten
für nachkommende Besuchergenerationen gilt es zu
erforschen.

Der Verein Zwischenraum bietet mit seinem unkonventionellen
Ausstellungskonzept solch ein kreatives
Vermittlungsmodell für nachkommende Besuchergenerationen.
Denn die Selbstorganisation im Leerstand
bietet ein von Zwängen befreites Angebot, welches
ein neues Publikum für Kunst und Kultur zu begeistern
vermag. Die jungen Kunstschaff enden sind die Werbung
für das Publikum der Zukunft. Das Projekt bietet
jungen KünstlerInnen unter 40 eine Plattform und vermag
diese durch Einbezug aller Beteiligten in die Ausstellungsplanung
zu vernetzen. Der Verein vermochte
in den letzten Jahren bereits zweimal eine beliebte
Ausstellung für ein breites Publikum von Jung bis Alt
zu schaff en und dadurch den Kulturstandort Schaff –
hausen zu stärken. Entsprechend dem Slogan Das Kapital
ist weg – wir sind das Kapital! soll die dritte Ausstellung
des Zwischenraumes in den Hallen für Neue
Kunst stattfi nden. Denn wo einst Beuys‘ Monumentalwerk
Das Kapital Raum 1970-77 stand, macht sich seit
nunmehr 3 Jahren Leerstand breit. Höchste Zeit die
Räume, welche das Titelblatt des letzten Kulturkonzepts
der Stadt schmückten, auch wieder mit Kultur
zu füllen.